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MUSIK FÜR EINEN BUNKER

DER RISS

BUNKER

AM

HAUPTBANHOF

5.10.2017

Die Menschen sind in einen Bunker geflüchtet. Dort leben sie seit geraumer Zeit, sie lachen, sie streiten, sie essen, sie tanzen, sie saufen und wenn draußen die Flugzeuggeschwader im Anflug sind, die Bomben fallen, überfällt sie die Angst. Denn draußen herrscht Krieg. Während auf der Straße gestorben wird, versuchen die, die unter der Erde sich in vermeintliche Sicherheit gebracht haben, eine Art Normalität aufrechtzuerhalten. Doch liegt Hysterie in der Luft, die Harmonie zwischen den Menschen ist brüchig, kleine Streitigkeiten eskalieren. Sie alle leben ein Leben auf Abruf. In Jelena Dabićs Musik für einen Bunker auf ein Libretto von Micaela von Marcard verarbeitet die Komponistin eigene Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend in ihrer serbischen Heimat. Ein Kontrapunkt zwischen Zeiten, Klängen, Welten und Kulturen reflektiert ihre Musik für den „Riss“. Sprechgesang wird mit virtuosen Koloraturen aber auch mit pop-artigem Singen kombiniert, basierend auf Volksmusikalischen Elementen als Rohmaterial – wahrhaftig und grotesk zugleich. Die Inszenierung der Regisseurin Vendula Nováková, nutzt die Gegebenheiten des Tiefbunkers am Hauptbahnhof. Die Animation von David Schulz eröffnet eine neue Ebene. Es geht hinab in den Untergrund, in seine gespenstischen Gänge, in die fensterlosen Schlafsäle mit ihren Etagen-Feldbetten, die Essensausgabe, die Waschräume und tristen Wartesaal-ähnlichen Aufenthaltsräumen. Die Zuschauer folgen den Protagonisten auf ihren Alltagsstationen ins Chaos, werden Teil des Geschehens und beobachten es doch aus der Distanz.